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gefächerte Decke


Die Decke des Tempels ist seine Kuppel. In ihr fliegen die Schwalben umher, geben der Utopie vom Raum Platz. Die Kuppel erhöht in schönem Zitat den Kunstraum zum sakralen Ort, mehr white als White Cube. Alke Reeh hat die Kassettendecke des weißen Saals im Lichtenberghaus abfotografiert und drucken lassen, die breiten Bänder nach genauem Plan eingeschnitten und gefaltet zu einem Gewölbe. Stalaktitengewölbe, den Tropfsteinhöhlen nachempfundenen Kuppeln, wie sie das Gewölbe ironisch nennt, ist es doch eher ein Zellengewölbe. Die Kassettendecke macht die tragenden Teile sichtbar, ist jetzt jedoch umgewidmet in die gespreizte Funktionslosigkeit dekorativer Zellen des kreisrund gefalteten Fächers. Er hängt von oben herab, bildet Tempel und Abbild zugleich. Unter diesem, für die zwischen Ornament und Funktion, zwischen Innen und Außen, Schwere und Leichte oszillierenden Arbeiten Alke Reehs typischen Baldachin spiegelt sich in den Falten des Fächers die Welt.

Tina Lüers



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